Eine große Anzahl von Hungersnöten wird aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit überliefert.
In den meisten Fällen beruhten Hungersnöte, sofern sie nicht durch Kriege veranlaßt waren, auf Mißernten. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen (1035 im Moselland und 1234 im Donautal ) und Dürren waren Ursache von Hungersnot. Laut Statistik gab es in Deutschland und Österreich im 11. Jahrhundert insgesamt 25 große Hungersnöte, im 12. und 13. Jahrhundert je 29. Schon im Mittelalter gab es in Zeiten der Teuerung öffentliche Unruhen. In den Städten richtete sich die Empörung der notleidenden Bevölkerung oft gegen die Bäcker, die fälschlicherweise für den Notstand mitverantwortlich gemacht wurden. Sie verkauften das Gebäck kleiner oder teurer weil die Getreidepreise stiegen. So mußten sich die Bäcker in Fürstenfeld in Böhmen während einer Hungersnot im Jahr 1271 in ihren Häusern einschließen und konnten den Käufern das Brot nur aus den Fenstern herausreichen. In Straßburg kam es 1294 zu Unruhen, bei dem die Aufständischen in Bäckerläden einbrachen. Durch Verteilung von Getreide an Notleidende wurde dieser Aufstand beendet.
Im 12.Jahrhundert mussten wohlhabende Bürger in Köln durch Hungersnot bettelnd von Haus zu Haus gehen.
Unter den Mitteln zur Bekämpfung der Hungersnot wendete schon Karl der Große (König der Franken, römischer Kaiser) das Ausfuhrverbot für Lebensmittel an. Um willkürliche Preissteigerungen zu verhindern, setzte er auch eine Preistaxe ( Mittel zur Bestimmung von Höchstpreisen ) für wichtige Lebensmittel fest, die sich aber in Zeiten der Not nicht durchführen ließ. Besonderen Wert legte Karl der Große auf die Notsteuer, die er in Hungerjahren den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung auferlegte. So mußten im Jahr 779 alle Bischöfe, Aebte (Vorsteher eines Klosters) und Grafen einen ansehnlichen Betrag zur Linderung der Not beisteuern.
Der Dreißigjährige Krieg hatte im 17. Jahrhundert große Hungersnöte zur Folge, die vielfach auch von Krankheiten und Epidemien begleitet waren. Schon während des Krieges gab es große Teuerungen in den belagerten Städten. So kostete in Breisach (Stadt Breisach am Rhein) im Jahre 1638 ein Viertel Weizen 18 Taler.
Nach dem Ende des Krieges waren Hab und Gut der deutschen Bauern vernichtet und die Lebensmittelpreise stiegen dramatisch an.
Im Jahr 1740 waren die Preise von Brot und Lebensmitteln nach einem strengen Winter zu einer unerschwinglichen Höhe emporgeschnellt. Wie auch schon in früheren Zeiten der Not, mußten Bäcker Gerstenmehl zum Brotbacken verwenden. Friedrich der Große (Friedrich II. v. Preußen) erließ sofort ein Ausfuhrverbot für Lebensmittel. Zur Bekämpfung der Hungersnot ließ Friedrich der Große staatliche Kornmagazine, die Getreide als Vorschuß hergaben, errichten und gestattete, dass vorübergehend die Grenzen geöffnet wurden. Dadurch bewirkte er, dass der Scheffel (Hohlmaß) Roggen, der bis auf 1 Taler und 21 Groschen gestiegen war, wieder zu einem annähernd normalen Preis abgegeben werden konnte.
Eine bemerkenswerte Notstandsverordnung Friedrichs des Großen war, dass das Brot nur in altbackenem Zustand gegessen werden sollte, um länger zu reichen. Das gute Erntejahr von 1741 machte diesen Zuständen ein Ende.

Zurück zur Übersicht

 




Neue Seiten


AGB - Widerrufsbelehrung - Impressum - Datenschutz - ©2000-2012 Kostenguenstiger.de